Jede Mahlzeit ist Brotzeit

Jedes Essen wird prinzipiell mit einer Stange Weißbrot gegessen. Ein Konzept, das mir bis heute nicht völlig klar ist.

Denn auch wenn ein komplettes Essen auf den Tisch kommt, dem an sich nichts fehlt, ist Brot trotzdem ein fester Bestandteil der Mahlzeit.

Reis mit Fleisch und Gemüse? Erst durch Brot so richtig gut. Kartoffeln mit Paprika und Fisch? Da fehlt Brot, ist doch klar.

Dabei gibt es bei den meisten Gerichten nicht einmal Saucen, in die man das Brot tunken könnte. Reis mit Brot, Kartoffeln mit Brot... Auch wenn ich es vielleicht nie vollständig verstehen werde, werde ich es trotzdem weiter versuchen.

Feiertage zum Mitnehmen

Fällt in Deutschland ein Feiertag auf einen Sonntag, so ist der Feiertag bekanntlich verloren. Die Spanier hingegen haben sich in diesem Punkt etwas wirklich wirklich Schlaues einfallen lassen.

Denn fällt in Spanien ein Feiertag auf einen Sonntag, so ist dieser keinesfalls verloren, sondern wird stattdessen einfach auf den darauffolgenden Montag verschoben.

Richtig! Wenn Spanier einen Feiertag haben, dann haben sie einen Feiertag. Auch wenn das bedeutet, den Feiertag schieben zu müssen.

Das ist definitiv das beste, das ich je gesehen habe. Nie wieder verlorene Feiertage durch Wochenenden. Das sollte Deutschland auch unbedingt und sofort einführen.

Mülleimer als Kuriositätenkabinett

Spanien verfügt nicht über ein Mülltonnensystem wie Deutschland, sondern man wirft den Müll einfach in große Müllcontainer, die an jeder zweiten Straße stehen. Diese werden dann von der Müllabfuhr täglich geleert.

In Spanien gilt aber auch eine Abwandlung der Redensart "Was nicht passt, wird passend gemacht". Allerdings in Form von "Was nicht passt, wird einfach daneben gestellt".

Zugegebenermaßen ist es recht mühsam, eine Waschmaschine 1,80m hochzuheben, nur um dann festzustellen, dass sie ohnehin nicht in den Müllcontainer passt. Deshalb lieber gleich daneben stellen.

Und die Spanier stellen wirklich alles neben die Müllcontainer. Alles.

Von Stühlen, Tischen und ganzen Schränken über Waschmaschinen und Trockner bis hin zu Toiletten, Aquarien und Ventilatoren.

Dabei müssen die Sachen nicht unbedingt kaputt sein. Wenn du also etwas brauchst, das gerade zufällig neben einem Müllcontainer steht und noch in Takt ist, dann bedien dich!

Straßen sind lebende Automuseen

Autos, die in Deutschland längst verschrottet oder mit einem Oldtimer Kennzeichen augestattet worden wären, finden sich hier tagtäglich im ganz normalen Straßenverkehr.

Und zwar ohne intensives Suchen. Autos, bei denen nicht zu erkennen ist, ob sie einmal blau, grün oder gelb waren, weil die Sonne die Farbe derart ausgeblichen hat.

Dazu mit gefühlt 500.000km auf dem Tacho und mehr Kratzern und Dellen als unfallfreien Stellen. Aber das ist bei dem spanischen Fahrstil auch kein Wunder.

Ich habe hier sogar schon so alte Modelle gesehen, dass ich den Modellname noch nie in meinem Leben gehört hatte.

Selbstverständlich gibt es auch jede Menge neue Autos.

Aber sie sind in Spanien eben nach wie vor eins: Fortbewegungsmittel. Solange sie fahren, gibt es keinen Grund sie auszutauschen. Und dem spanischen Verständnis nach machen Kratzer ein Auto erst so richtig authentisch.

In Spanien ticken die Uhren anders

Wobei anders in diesem Fall falsch heißt. Denn Spanien hat eigentlich die falsche Zeit.

Aufgrund der geographischen Lage müsste Spanien die gleiche Zeit wie Großbritannien oder Portugal haben. Wäre Franco nicht gewesen, hätte España das auch.

1942 veranlasste der Diktator die Anpassung der Uhrzeit an Nazi-Deutschland. Bis heute sind die Motive dafür nicht vollständig geklärt.

Auch über seinen Tod hinaus blieb die „falsche“ Zeit erhalten. Insbesondere über die letzten Jahre wurden jedoch Stimmen laut, die Änderung rückgängig zu machen. Bisher jedoch ohne Erfolg.

Solche Kuriositäten erfährst du erst, wenn du wirklich einige Zeit in dem Land gelebt hast. Dennoch bereue ich es keine Sekunde, in den Süden gezogen zu sein. Denn Gründe, nach Spanien auszuwandern, gibt es mehr als genug.